Entstehung der Feuerwehr Osterwitz

Zu den größten Gefahren der Menschen zählten stets die Feuersbrünste, die ganze Märkte und Städte einäscherten, wie 1797/98 die zwei Großbrände in Deutschlandsberg, bei denen ein Großteil der Markthäuser in Mitleidenschaft gezogen wurde. Diese Angst vor dem Feuer zeigt sich auch in einer der vier Wettersegenbitten, in der es heißt: "ab fulgure et tempestate", "vor Blitz und Ungewitter".

Verschiedene Brände hatten auch die Bewohner von der Ortschaft Osterwitz heimgesucht, so brannte es 1689 beim vlg. Steiner; 1740 beim vlg. Tschreppl und 1789 beim vlg. Kupper.

Zwei Waldbrände hatten wertvolle Holzbestände zerstört, einer im Poschwald, wo ein Köhler aus Unachtsamkeit Teile des Poschwaldes in Brand setzte oder ein Großbrand im Moserwald 1879, der die besten Holzbestände einäscherte.

Aus diesen Gründen und um Schutz vor Feuer zu gewähren, erließ Kaiser Franz I. am 18. Mai 1825 eine Feuerlöschordnung für das Land.

In Osterwitz waren Feuerwächter: vlg. Spari für den Ortskern, Egg und Entersbach und vlg. Wallner für Winkel und Alpe. Trotzdem kam es am 7. Jänner 1908 durch Unvorsichtigkeit zu einem Großbrand beim Fürstlich Liechtensteinischen Besitz vlg. Hofbauer, es entstand ein Großbrand, der den Stall und den Stadl, sowie das Heu und die gesamten Getreidevorräte einäscherte. Der Schaden belief sich auf 1000 Kronen. Die Feuerwehren von Deutschlandsberg und der SOLO versuchten den Brand zu löschen; allerdings mußten sie hilflos zusehen, wie die Gebäude mangels Löschwasser ein Raub der Flammen wurden.

1924 wurde eine Feuerhilfstelle für die Gemeinden Kloster, Mitterspiel und Osterwitz gegründet. Die Statuten dieses Vereins wurden beim vlg. Strasser in Kloster aufbewahrt; eine Bestimmung sah die Anlage von Löschteichen bei den einzelnen Höfen vor; eine Lehre, die man aus Tatsache des Wassermangels beim Hofbauerbrand gezogen hatte.

1936 wurden von der Gemeinde Osterwitz fünf Krückenspritzen angeschafft und bei den einzelnen Häusern verteilt.

Über die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Osterwitz gibt es Unklarheiten. Das Gemeinderatsprotokoll des Jahres 1942 nennt Karl Pongratz vlg. Tschrepl als Hauptmann, Im Zuge der Partisanenüberfälle Ende des Zweiten Weltkrieges, bei welchen die Gemeindekanzlei im alten Schulhaus verwüstet wurde, sind sämtliche Akten vernichtet worden; es ist deshalb nicht eindeutig zu klären, wann die Feuerwehr gegründet wurde. Da 1959 die Neuaufstellung der Feuerwehr beschlossen wurde, ist daraus zu schließen, dass schon zuvor eine solche existierte.

Diese Annahme wird dadurch erhärtet, dass aus dem Jahre 1949 ein Prospekt einer Feuerwehrpreisliste existiert, die an das Feuerwehrkommando in Osterwitz adressiert ist. In der Rundschau ist jedoch vor der Wiedererrichtung der Feuerwehr im Jahre 1959 kein Hinweis auf die Existenz einer solchen zu finden.

1950 brannte das Anwesen vlg. Holm nieder, dies war der Anlaß dafür, dass die Gemeinde 1951 eine Motorspritze anschaffte. Am 30 März 1959 wurden die Neuaufstellung der FF Osterwitz und der Bau eines Rüsthauses beschlossen. 1960 sollte die Rüsthaus- und Motorspritzenweihe stattfinden; um dies finanzieren zu können, fand am 20. Februar 1960 ein Feuerwehrball statt.

Die Weihe wurde am 26. Juni 1960 vorgenommen; Feuerwehrabordnungen aus Deutschlandsberg, Glashütten, Kloster, Gams, Trahütten und Wildbach nahmen teil. Hauptmann Alois Pobernel konnte zahlreiche Ehrengäste begrüßen, u.a. Nationarlrat Dr. Schwer, Bezirkshauptmann ORR. Dr. Mayer, Bezirksfeuerwehrkommandant Rainer und Abschnittskommandant Franz Stering. Die Weihe nahm der Provisor von Osterwitz, Lukesch, vor.
Hauptmann Alois Pobernel übte sein Amt bis 1976 aus; Ehrenhauptmann war Bürgermeister Georg Reinisch vlg. Zach. Als Hauptmann folgte bis 1997 Franz Kügerl vlg. Hoisl; seither bekleidet Reinhard Pongratz dieses Amt.Am 10. Dezember 1967 fand der Bezirksfeuerwehrtag mit der Rüstautoweihe statt; ein Großereignis für das entlegene Osterwitz. Die Dienstbücher der FF Osterwitz nennen zahlreiche Einsätze und Übungen; um einen kleinen Einblick in die große Verantwortung zu geben seien verschiedene Einsätze angeführt.

 

1964 27.12. Großbrand beim vlg. Steiner - Wirtschaftsgebäude
1965 27.06. Kleinbrand beim Zach E-Werk
1966   Schneeräumung vom Rüsthaus bis zum GH Holm
Die Gemeinde bewilligt S 35.000,-- für ein neues Rüstauto
1967 06.06. Suchaktion - der viereinhalbjährige Siegfried Pansi verlief sich auf der Moser
1968 29.05. Baumbrand bei Edler
1970 17.09. Suchaktion bei der Stoffhütte; eine Frau und ihre 5 jährige Tochter verirrten sich beim Pilze suchen
1972 21.04. Hochwassereinsatz bei Liechtenstein
1973 06.07. Bergung eines Kärnters auf der Handalpe - er brach sich den Fuß
1979 28.01. Brandeinsatz in Sallegg
  21.05. Brandeinsatz in Glashütten - Waldbrand auf der Gföll
  05.08. Brand bei Franz Reinisch - Schuppen
  11.09. Flugzeugabsturz auf der Wildbacher Alm
  22.10. Heuturmbrand beim Gerhardshof
1983 29.07. Brand in Kloster beim Lichtenegger
  29.08. Blitzschlagbrand bei der Grabnkeusche
1985 20.04. Waldbrand in Trahütten
  15.07. Brand beim vlg. Zmugg in Trahütten
  06.10. Brand bei Peter Keusch in Kloster
1986 14.12. Ankauf eines Rüstfahrzeuges
1989 10.09. Rüstautoweihe in Anwesenheit von LH Josef Krainer
1990 18.03. Waldbrand beim Absetzwirt
1993 02.05. Wiesenbrand beim Tschrepl
  03.05. Autobrand bei Edler
1994 03.02. Kaminbrand bei Steiner
  24.12. Bergung eines Traktors des Betriebes Liechtenstein
1996   Brand beim Schoberhof
2000   Brand beim Großsteinbauer

 

 

Auszug aus dem Gedächtnisprotokoll Johann Pongratz (Schober)

Als seinerzeitiger Bürgermeister der Gemeinde Osterwitz von 1939 bis 1945 möchte ich über die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Osterwitz folgendes festhalten bzw. bezeugen:

Dur einen Überfall der Partinsanen im März 1945 auf die Gemeindekanzlei sind viele Akte, Aufzeichnungen usw. vernichtet worden, so auch über die Feuerwehr.

In wiederholten Erlässen des Landrates (Bezirkshauptmannschaft) wurden ab Kriegsbeginn die Gemeinden aufgefordert Vorsorge für eine Brandbekämpfung zu treffen. Es wurden damals die Gemeinden, welche keine eigene Feuerwehr hatten, einer Nachbarfeuerwehr zugeteilt. Die Gemeinde Osterwitz gehörte durch diese Rayonierung zur FF Gressenberg.
Wenn man sich die damaligen Wegverhälntisse vorstellt, Osterwitz war mit einem Auto überhaupt nicht erreichbar, erst die Engländer sind 1945 mit ihren Jeeps Osterwitz angefahren, so bedeutete die Zuteilung zur FF Gressenberg eine vollkommene Unmöglichkeit.
Mein Bestreben als Bürgermeister war daher, in der Gemeinde selbst eine Feuerwehr ins Leben zu rufen. Ich hatte zu meiner Zeit fast alle Monate eine Gemeinde- bzw. Ortsbauernschaftsversammlung abgehalten und hierbei alle Vorkommnisse, Anordnungen, notwendige Maßnahmen usw. mit allen Gemeindebewohnern besprochen. Es war hiebei immer fast aus jedem haus jemand anwesend. So wurden auch bei einer solchen Versammlung im November 1942 über die notwendigen Maßnahmen im Falle einer Brandbekämpfung besonders auch im Hinblick auf die einsetzenden Fliegerangriffe beraten. Das Ergebnis dieser Besprechung war, dass die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr Osterwitz erfolgte. Soviel mir heute noch in Erinnerung ist, waren es 14 Mann, die sich zur Feuerwehr meldeten. Zum Hauptmann wurde Karl Pongratz, geb. 29.01.1897, Bauer vlg. Tschrepl in Osterwitz gewählt. Im Frühjahr 1943 hat dann Karl Pongratz einen Hauptleutekurs in Graz besucht. Von der Gemeinde Osterwitz wurden schon im Jahre 1936 5 Krückenspritzen angeschafft und diese in der Gemeinde bei einzelnen Häusern schwerpunktmäßig verteilt. Diese Krückenspritzen bildeten dann auch die erste, einzige Ausrüstung der Feuerwehr. Wie oft Übungen abgehalten wurden ist mir nicht bekannt.
Wohl weiss ich noch, als im Jahre 1950 der Brandfall bei volg. Holm war, hat Karl Pongratz das Kommando über die mit Krückenspritzen herbeigeeilten Männer übernommen. Das die Feuerwehr noch weiter bestand beweißt, dass im Jahre 1951 von der Gemeinde eine Motorspritze angekauft wurde.

Osterwitz, am 12. November 1984